KOLLER VIEW 4/24

pre view. 02 21 Und welchen Favoriten haben Sie bei den Dekora- tionsobjekten? Imposant und ästhetisch sehr schön ist die monumen- tale Vase im Stil Louis XVI mit vergoldeten Bronze- montierungen, die auf einen Entwurf von Jean Claude Duplessis zurückgeht. Die Vase ist in der Form elegant und eher streng, die Kombination von Kobaltblau mit der fein gearbeiteten vergoldeten Bronze jedoch ein absoluter Blickfang. Beeindruckend sind daneben Ka- minböcke, die von einem der besten Bronzefabrikanten seiner Zeit für den Grand Salon des Schlosses Bellevue bei Meudon gefertigt wurden: Louis-Auguste-Alfred Beurdeley (1808–1882). Neben dem Entwurf, der auf ein Original des Jahres 1784 zurückgeht, bestechen diese Stücke durch die hervorragende Qualität der Bronzearbeit und der Vergoldung, die den Vorbildern in nichts nachstehen. 3 Paar exzellente Konsolen-Vitrinen. Napoléon III, Paris, um 1875. Henri-Auguste Fourdinois (1830–1907). 102 × 44 × 99 cm. Schätzung: CHF 60 000/80 000 –––– «Gesucht bleiben das Spezielle und Extravagan- te sowie Objekte von hervorragender Qualität» –––– Es wird viel über das Ende des Sammelns antiker Möbel gesprochen. Was ist Ihre Erfahrung? Der Kunst- und Antiquitätenmarkt entwickelt sich in Wellenbewegungen. Da er kapitalintensiv ist, reagiert er auf die wirtschaftliche Situation. Zugleich wird er geprägt durch Moden und Vorlieben der Käuferschaft. Sammler und Sammlerinnen, die sich mit einer Mate- rie beschäftigen und systematisch eine Kollektion auf- bauen, sind im Bereich der antiken Möbel eher selten. Es geht eher um die Einrichtung einer Wohnung oder eines Hauses. Gesucht bleiben das Spezielle und Ex- travagante sowie Objekte von hervorragender Qualität. Heute richtet man sich kaum noch gänzlich mit Anti- quitäten ein, gesucht sind eher herausragende Einzel- stücke. Worauf sollte man achten, wenn man heute eine sol- che Sammlung aufbauen möchte? Am wichtigsten ist die Kenntnis der Materie. Es lohnt sich insbesondere am Anfang, sich bei den Käufen gut beraten zu lassen. Der Aufbau eines guten Netz- werks von Gleichgesinnten, Fachleuten etc. ist wichtig. Qualität statt Quantität sollte eine Grundmaxime jeder Sammlung sein. Lieber fünf hervorragende Stücke als dreissig mittelmässige. Eine inhaltliche Beschränkung des Sammelgebietes kann hier auch hilfreich sein. Was halten Sie für das wichtigste Kaufkriterium? Kaufen Sie nur das, was Ihnen selbst gefällt. Die Freude an den Objekten sollte im Zentrum stehen. So werden Sie Ihre Sammlung immer schätzen – ganz unabhängig von den Entwicklungen des Kunstmarktes. 4 Joseph Chaumet (1852–1928). Allegorie des Winters. Signiert J. Chaumet Joaillier-orfèvre Paris-Londres. H 65 cm. Schätzung: CHF 50 000/70 000 5 4 3 5 «Vase grec à rosettes». Louis-XVI-Stil. Frankreich, 19. Jahrhundert. H 105 cm, D 50 cm. Schätzung: CHF 60 000/80 000

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