KOLLER VIEW 4/24

pre view. 02 5 Peter Fischli und David Weiss, das Schweizer Künst- lerduo Fischli/Weiss, haben für ihre Werke häufig all- tägliche Materialien verwendet, um eben jenen Alltag zu dekonstruieren. Mehr als viele andere Kunstwerke fordern ihre Objekte und Installationen den Betrachter auf, aktiv zu interagieren und eine eigene Interpreta- tion des Dargestellten zu finden. Das heisst aber nicht, dass die Künstler es ihrem Publikum leicht machen. Sie formulierten es so: «Es gibt immer eine gewisse Poesie in der Betrachtung von Banalem. Aber man braucht viel Geduld dafür.» Eine scheinbar von Hand modellierte, weiss glasierte Tonschale mit schwarzen und gelben Schlieren präsentiert sich dem Betrach- ter auf einem weissen Ausstellungssockel wie eine kostbare Preziose (Abb. 1). Die Farbschlieren wirken zufällig und vermitteln den Eindruck von Unvollkom- menheit. Die Skulptur ist kein Readymade à la Marcel Duchamp, kein gefundener Alltagsgegenstand, der durch Rekontextualisierung zum Kunstwerk erhoben wird. Vielmehr handelt es sich um eine präzise von Hand gefertigte Skulptur aus Polyurethan, eine täu- schend echt wirkende Kopie. Fischli/Weiss lösen den Gegenstand augenzwinkernd von seiner Funktion und schenken ihm dadurch besondere Aufmerksam- keit. Roni Horn hat ihre sechsteilige Arbeit «Stevens' Bou- quet» in einer streng limitierten Auflage von nur drei 1 Fischli /Weiss (geb. 1952) (1946–2012). Ohne Titel. 2001. Polyurethan, weiss bemalt. Kubus: 80 × 50 × 44 cm. Schale: D 19 cm. Schätzung: CHF 70 000/100 000 2 Für weitere Informationen PostWar & Contemporary Clarisse Doge & Jara Koller doge@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch Exemplaren produziert (Abb. 2). Der Aufbau der Instal- lation sowie die Materialwahl aus Aluminium und Harz erinnern an den amerikanischen Minimalismus, doch gleichzeitig wird das sinnliche Empfinden durch den Kontrast zwischen der Kühle des Materials und den teils zarten Pastelltönen der Buchstaben intensiviert. Das Werk tritt in einen spannungsreichen Dialog zwi- schen Sprache und Form. 2 Roni Horn (geb. 1955). Stevens' Bouquet. 1991. Aluminium und Kunstharz. 1/3. 160 × 120 × 38,5 cm (variabel). Schätzung: CHF 120 000/180 000

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