Sammlung Dr. med. Sylvia Legrain Lot 1801–1932

| 54 Sammlung Frau Dr. med. Sylvia Legrain 1841 BREVIARIUM - Breviarium. Lateinische Handschrift auf Pergament. Mit zahlr. gold- und farbigen (teils weissgehöhten) Initialen, darunter 7 be- sonders schöne, grössere mit Blumen- und Früchtemotiven. Wohl Frankreich, letztes Viertel des 15. Jahrhunderts. 15,5 × 12 cm. [74] Bll., davon Bl. 48 und letztes leer. Schriftspiegel ca. 9,7 × 6,5 cm. 16 Zeilen. Brauner Halbkalbsleder des 18. Jahrhunderts auf 5 Bünden mit goldgepr. Rückentitel und ornamentaler Rückenvergoldung, Vollgoldschnitt (minimal berieben und bestossen, unten kleine Wurmlöchlein). Qualitätvolles Brevier für Weltgeistliche ebenso wie für den priva- ten Gebrauch. Geschrieben in einer gefälligen gotischen Textura rotunda. - Inhalt: Heiligenkalender, Psalmen und Gebete, Allerhei- ligenlitanei und 1 marianisches Gebet. - Es fehlen mehrere Blätter, darunter vom Kalender zu Beginn 2 Blatt mit den Monaten Januar und Februar, 1 Blatt nach dem Kalender und 1 Blatt nach fol. 70. - Nur gelegentlich leicht fleckig, schwach gebräunt, die letzten Blatt etwas stärker feuchtfleckig. Vorsätzblätter etwas berieben, vor- deres Innengelenk leicht angeplatzt. - Die 3 letzten Bll. mit Bister beschriftet, das letzte leere Bl. mit alter handschriftlicher Notiz. Provenienz: Aus dem ehemaligen Besitz von Emanuel Stickelber- ger (1884–1962) mit gestochenem Exlibris auf Japanpapier auf dem vorderen Spiegel - Koller Auktionen, Auktion 153, 25. Juni 2010, Los 1. CHF 3 000 / 5 000 (€ 3 130 / 5 210) 1842 Anonymer südfranzösischer Buchmaler, 14. Jahrhundert. Buchminiatur aus einem juristischen Kodex (Raimond von Pen- naforts Decretales Gregorii IX?). Rechtsgelehrte und Kanoniker präsentieren dem Papst einen juristischen Text. Goldgehöhte und in Farben illuminierte Miniatur auf Pergament. Avignon, ca. 1370–80. Bildmass 7,5 × 7,7 cm; Blattgrösse 8,5 × 9 cm. Unter Samt-Passepartout, geschnitzter Holzrahmen des 19. Jahrhun- derts (17 × 18 cm). Literatur: - Manzari, Francesca. La miniatura ad Avignone al tempo dei Papi. Modena, 2006. - Bilotta, Maria Alessandra. „Nuovi elementi per la storia della produzione e della circolazione dei manoscritti giuridici miniati nel Midi della Francia tra XIII e XIV secolo: alcuni frammenti e manoscritti ritrovati“, in: Dies. (Hrsg.). Medieval Europe in motion. The circulation of artists, images, patterns and ideas from the Mediterranean to the Atlantic coast (6th–15th centuries). Paler- mo, 2018, S. 319–392. Dieses bislang unveröffentlicht gebliebene Fragment einer juris- tischen Handschrift, zeigt vor einemQuadratmustergrund aus einemDiagonalnetz in Gold und Blau, einen auf einem räumlich wohl konstruierten Thron sitzenden Papst, wie er von einer Grup- pe Rechtsgelehrten und Kanoniker ein mächtiges Manuskript in Empfang nimmt. Die Zugehörigkeit zu einem aufgebrochenen juristischen Codex ergibt sich aus der Ikonographie des Bildes und demText der Rückseite. Da es sich bei den das Buch übergebenden Persönlichkeiten um Gelehrte und Kanoniker handelt, dürfte es ein Manuskript mit De- kretalen des kanonischen Rechtes sein, das hier überreicht wird.

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