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5 FÜR WEITERE INFORMATIONEN GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch Worum es in dem Brief, den die beiden jungen Damen in den Händen halten, geht, lässt sich unschwer an ihren Gesichtern und Blicken ablesen. Nur offenher­ zige Liebesbekundungen vermögen solchen Zauber auf die Antlitze zu legen. Der Österreicher Ferdinand Georg Waldmüller zeigt sich in diesem Doppelbildnis (Abb. 1) als Virtuose von Licht und Texturen. Er zeigt uns die Szene allein vom Schein einer Kerze erhellt, schafft es aber trotzdem, jeder Oberfläche, jedem Stoff und jedem Stück nackter Haut eine faszinieren­ de Natürlichkeit zu verleihen. Das Briefpapier schirmt die helle Flamme vom Betrachter ab und taucht das Sujet in ein weiches, schmeichelnd-warmes Licht. Waldmüllers Farbtalent und präziser Duktus erzeu­ gen eine subtile Plastizität der Körper. Die Gesich­ ter, Oberkörper, Arme und Hände sind mit beinahe fotografischer Genauigkeit dargestellt. Der aus einer Liechtensteiner Privatsammlung eingelieferte «Lie­ besbrief» ist eines von Waldmüllers Spätwerken, das auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn in zwei Fassungen entstand, von denen eine hier an­ geboten wird. Die Meisterschaft des Künstlers wuchs über Jahrzehnte durch Altmeisterstudien. Er schul­ te sich selbst, seinen Blick und seinen Stil, an Tizian, van Dyck oder Vertretern der Raffael-Schule. Kunden Waldmüllers waren vor allem Adlige, die bei ihm Alt­ meisterkopien in Auftrag gaben. In seiner freien Land­ schaftsmalerei en plein air , die mit einem Blick auf den Watzmann in der März-Auktion vertreten ist (Abb. 2), löste sich der Österreicher mehr undmehr von seinen historischen Vorbildern. Das Lebenswerk von Carl Gustav Carus hatte viele schillernde Facetten: Er war ausgebildeter Arzt, tätig als Professor für Geburtshilfe, Dilettant in verschie­ denen Naturwissenschaften, Autor zweifelhafter naturphilosophischer Thesen über «wohlgeborene Abstammung» und schliesslich Maler. Er galt schon zu Lebzeiten als Universalgenie. Seine künstlerische Handschrift ist geprägt von den Idealen der Romantik. Carus teilte Alexander von Humboldts wissenschaft­ liche Neugier und ebenso Goethes Leidenschaft für Italien, die sich in vorliegendemDante-Bildnis spiegelt (Abb. 3). Carl Spitzweg war eine Generation jünger als Carus. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts übte der Orient of­ fenbar eine stark anziehende Wirkung auf Spitzweg aus, in jener Zeit häufen sich entsprechende Motive. (Abb. 4). Wie viele andere beeinflussten ihn die exoti­ schen Exponate der Welt- und Industrieausstellungen in London und Paris, die Lebensart, Kunst und Ästhe­ tik – oder mit einem Wort: den Zauber ferner Welten nach Europa brachten. 2 Vorschau auf die Auktion Gemälde des 19. Jahrhunderts vom 26. März 2021 ImSchein der Kerze 1 F erdinand GeorgWaldmüller (1793–1865). Der Liebesbrief. 1848. Öl auf Leinwand. 78 × 64,5 cm. Schätzung: CHF 150 000/250 000 2 F erdinand Georg Waldmüller (1793–1865). Der Watzmann in der Ramsau. 1837. Öl auf Holz. 45 × 57,7 cm. Schätzung: CHF 70 000/90 000 3 C arl Gustav Carus (1798–1869). Dante, an der «Vita Nuova» arbeitend. Öl auf Leinwand. 50,5 × 40,5 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 4 C arl Spitzweg (1808–1885). Nach links sitzender Orientale in einem Basar. Um 1852/53. Öl auf Kar­ ton. 28,7 × 22,4 cm. Schätzung: CHF 30 000/40 000 4 3

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