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6 Vorschau auf die Auktion Gemälde Alter Meister vom 26. März 2021 Von Rubens hoch geschätzt In den Jahren 1616 bis 1620 kreuzten sich in Antwer­ pen die Lebenswege von Anthony van Dyck und Peter Paul Rubens. Jene Zeit markiert den Beginn einer Ära, die als das Goldene Zeitalter der flämischen Malerei in die Kunstgeschichte eingehen sollte. Van Dyck, der bereits in sehr jungen Jahren in Antwerpen ein Atelier unterhielt und ab 1618 Freimeister der einflussreichen St. Lukas-Gilde war, arbeitete auch in der florierenden Werkstatt von Rubens. In dieser Zeit haben beide wohl das in dieser Auktion ebenfalls angebotene Porträt von Tizian gesehen (Abb. Titelseite, vgl. Katalogein­ trag zu Los 3032). Offenbar schätzten beide einander. Belegt ist, dass sich in Rubens’ Nachlass drei verschie­ dene Darstellungen des Heiligen Hieronymus von van Dyck befanden, darunter möglicherweise auch die in der März-Auktion angebotene Fassung (Abb. 4). Das Thema des büssenden Einsiedlers Hieronymus in der syrischen Wildnis hat van Dyck mehrfach be­ schäftigt. Die Gemäldegalerie Alte Meister der Kunst­ sammlungen Dresden besitzt eine grosse Leinwand mit einer nahezu identischen Komposition. Hierony­ mus, dessen Körper von Alter und Enthaltsamkeit gezeichnet ist, kniet, seine Rechte hält einen Stein, den er an seine Brust schlagen wird. Ein Totenschädel als Vanitassymbol und ein Gebetsbuch liegen neben ihm. Im Hintergrund der Szene ist eine Landschaft schwach angedeutet. Der Flame van Dyck setzt mit seinem Motiv eine Tradition fort. Künstler beidseits der Alpen zeigen den in Askese lebenden Kirchenvater Hieronymus in der Wildnis immer wieder – so Leonar­ do, Rembrandt, Dürer, Rubens und viele andere. Das Bedeutende und zugleich Moderne am vorliegenden Bild ist dessen vorbereitender Charakter. Gerade in seinen Studien und Skizzen zeigt sich van Dycks Ge­ nie. In spontaner und von Konventionen weitgehend befreiter Malweise fokussiert der Künstler auf das We­ sentliche. Diese ausgelassen feiernde Dorfgesellschaft, ein­ geliefert aus einer Schweizer Privatsammlung, dürf­ te in der Mitte der 60er Jahre des 17. Jahrhunderts entstanden sein. Ihr Schöpfer, Abraham Tenier, war wie sein älterer Bruder David Tenier II. in der Antwer­ pener St. Lukas-Gilde tätig und legte Motivwelten an, die denen seines Bruders ähnelten – so wie bei dieser Genreszene. ImVordergrund findet sich eine fröhliche Gesellschaft bei Speis und Trank, während daneben zum Tanz aufgespielt wird. Im Hintergrund erschliesst sich die flämische Dorflandschaft mit Windmühle und Kirchturm. Mit seinem kleinformatigen Blumenstrauss (Abb. 2) schliesst Jan Brueghel der Jüngere, Vertreter der wohl bekanntesten Antwerpener Malerdynastie, unmittel­ bar an das berühmte Werk seines Vaters an. Früh von diesem ausgebildet, reiste er lange durch Italien und Frankreich, bevor er seine Hauptwerke als Mitglied der Lukasgilde in Antwerpen schuf. FÜR WEITERE INFORMATIONEN GEMÄLDE ALTER MEISTER Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch 1 Abraham Teniers (vor 1629–1670). Weite Dorfland­ schaft mit Bauernfest. Öl auf Kupfer. 56,6 × 74 cm. Schätzung: CHF 30 000/50 000 2 J an Brueghel d. J. (1601–1678). Blumenstrauss in einer Vase. Öl auf Kupfer. 27 × 22 cm. Schätzung: CHF 40 000/60 000 3 R oelant Savery (1576–1639). Liegende Kuh. 1604. Öl auf Holz. D 17,5 cm. Schätzung: CHF 35 000/45 000 4 A nthony van Dyck (1599–1641). Der heilige Hiero­ nymus in der Wildnis. Öl auf Holz. 47,1 × 40,4 cm. Schätzung auf Anfrage. 1 3 2

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