Koller View 2/22

5 Vorschau auf die Auktion Post War & Contemporary Art vom 30. Juni 2022 Warhols Katze mit Charakter Eine von AndyWarhols Obsessionen waren Haustiere, speziell Katzen und Hunde. Als Kind wuchs er mit den vielen Katzen seiner Mutter Julia Warhola im Stadt- haus in Carnegie Hill auf. Warhols erstes Künstlerbuch erschien 1954 und versammelte 25 Katzenporträts, wenig später folgtemit «Holy Cats» ein weiteres. 1973 kaufte Warhol den Dackel Archie, der lange Zeit sein treuer Begleiter auf Vernissagen, Presseterminen und Partys war. Mitte der 1970er-Jahre wandte sich der Pop-Art- Künstler erneut diesem Sujet zu, das ihn schon in sei- ner Kindheit begleitet hatte: Er schuf 72 Gemälde und etwa 45 Zeichnungen von Tieren, die meisten davon waren Auftragsarbeiten der Besitzerinnen und Besit- zer. Vorläufer der später berühmt gewordenen Reihe «Cats & Dogs» bildeten zwei Zeichnungen des Co- cker-Spaniels Ginger, die der Sammler Peter Brant in Auftrag gegeben hat. Warhol nutzte zur Anfertigung dieser Gemälde Schwarz-Weiss-Fotografien der Tie- re. Während es sich bei den zwei Dackeln Archie und Amos um Warhols eigene Tiere und bei den Hunden Cuba und Danger um Haustiere des Freundeskreises handelte, bleiben drei Modelle unidentifiziert, dar- unter auch die Katze der vorliegenden Arbeit. «Cats and Dogs (Broadway)» ist eines von nur sechs gross- formatigen Katzen-Bildern, es befand sich fast ein halbes Jahrhundert in einer niederländischen Privat- sammlung (Abb. 1). Die Katze Broadway wacht mit grossen Augen miss- trauisch über ihre Umgebung. Obwohl ihre Pose nicht aktiv ist, wirkt sie ab- solut wach. In geduckter Haltung scheint der Körper des Tiers angespannt, je- derzeit bereit zum Sprung. Die weisse Zeichnung und die mandelförmigen Augen hauchen der Katze Leben ein, während im Acraviolett und Kobaltblau mit dem mintgrünen Hintergrund verschmelzen. Die gewöhn- liche Hauskatze durchläuft dank Warhols künstlerische Adaption auf der Leinwand eine Metamorphose und er- scheint hier als Persönlich- keit mit Charakter. Auch John Wesley gehört zu den Vertretern der US- amerikanischen Pop Art. In seinen frühen Gemälden verwendet er fiktive Stempel und Siegel, bis er sich einer durch Cartoons inspirierten Bildsprache zu- wandte. Anders als bei Cartoons ist seine Farbpalet- te auf drei bis vier Farben begrenzt und die flächige Malweise erinnert, trotz der figürlichen Malerei, eher an Kompositionen des Minimalismus oder an Man- ga-Comics. Auf der dreifarbigen Gouache mit dem kryptischen Titel «7. Juli» blicken drei Geishas über ihre Schultern (Abb. 2). Der Betrachter schaut auf das Halbprofil dieser drei identischen japanischen Frau- en, deren schwarze Haare sich am oberen Bildrand zu einem flächigen Streifen vereinen. 2 3 4 © Karel Appel Foundation / 2022, ProLitteris, Zurich für © 2022, ProLitteris, Zurich

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2