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Impressionismus & Klassische Moderne

3229 EMIL NOLDE

(Nolde 1887 - 1956 Seebüll)

Am See von Ruttebüll. Um 1920.

Aquarell und Tusche auf Japan.

Unten rechts signiert: Nolde.

36,5x 44,5 cm.

Wir danken Dr. Manfred Reuther für die

freundliche Hilfe und die Bestätigung der

Authentizität des Werks, Klockries, 17. Ok-

tober 2017. Das Werk ist in seinemArchiv

unter der Nummer "Nolde A-52/2017"

registriert.

Provenienz: Privatsammlung Schweiz.

Emil Noldes Landschaftsaquarelle

gehören zu den herausragenden Wer-

ken seines Oeuvres. Die farbenfrohen

Arbeiten bestechen durch die kräftigen

Töne und starken Kontraste, durch die

fliessenden Farben und die expressionisti-

sche Intensität. Die Technik des Aquarells

begleitet Nolde auf seinem gesamten

künstlerischen Weg und spiegelt vor allem

seine Vielfalt wieder. Auch das zur Auktion

angebotene Aquarell zeigt eine solche für

Nolde typische Arbeit auf. Es entstand um

das Jahr 1920. Das Werk zeigt als Motiv

die amphibische Landschaft der Wiedau-

Niederung am Rüttebüller See, einer Ort-

schaft in der Nähe von Seebüll und auch

von seinemGeburtsort. In dem kleinen

Dörfchen nahe der dänischen Grenze, wo

sich der Künstler ab dem Jahr 1916 für

10 Jahre niederlässt, hält sich Nolde das

erste Mal im Jahr 1909 auf. Es ist dieser

Ort, der einen prägenden Einfluss auf sein

komplettes späteres Schaffen haben wird:

„Meine Art der letzten Jahre zu zeichnen

und malen in Nachbildung und Gestal-

tung der Natur – möglichst mit erstem

Strich oder erster Farbe fertig hingesetzt

– genügte mir nicht mehr. Zeichnend hatte

ich auf dem Papier gewischt und gekratzt,

bis der Grund durchlöchert war, um etwas

anderes und mehr als bisher, das Tiefst-

liegende, zu erfassen. Mit demWeg des

Impressionismus schien mir nur ein Weg

beschritten, kein Ziel, das mir genügte.“

(zit. aus: „Jahre der Kämpfe. 1902-1914, S

120.) Der Weg zu der expressiven Malerei

vollzieht sich also hier, in Ruttebüll. Nolde

genügt es nicht mehr, die Natur so zu

malen, wie sie ist. Vielmehr interessiert er

sich dafür, die Natur umzuwerten, unter

„Hinzufügung des eigenen Seelisch-

Geistigen“(zit. aus: ebd., S. 20) wird sie zu

einem Kunstwerk.

Der freie Einsatz von Farbe wird immer

präsenter und schliesslich zu einem zen-

tralen Charakter in den Werken Noldes.

Unsere zur Auktion angebotene Arbeit ist

ein prächtiges Beispiel für Noldes Expres-

sionismus und die Anwendung der Farben.

Der Himmel und das Wasser in wunder-

baren, nächtlichen blau-violett Tönen

gehalten, gelbe und rote Wolken, die sich

im See spiegeln und das saftige Grün der

Wiese. Einerseits heben sich die einzelnen

Farbfelder voneinander ab und gleichzeitig

fliessen die Farben ineinander.

Neben der neuen Vision eines Kunstwerks,

bedient sich Nolde nun auch anderer

Materialien. So kommt es, dass er sich ab

den 1910er Jahren mit dem Japanpapier

auseinandersetzt und dieses als tragendes

Medium seiner Aquarelle wählt. Dies dient

der Entwicklung des Einzugs der Farbe,

demVerlaufen und der Verschmelzung

der Flächenränder und ist wesentliches

Merkmal für Noldes Aquarelle. Die Land-

schaft umUtenwarf und das Ruttebüller

Tief sind Motiv für zahlreiche Aquarelle des

Künstlers, die er während seines Aufent-

halts dort fertigt. Bei dem unsrigen Werk

handelt es sich um ein beeindruckendes,

farblich exzellent erhaltenes Exemplar,

welches die Kraft und Intensität zeigt, mit

der der Künstler seine Aquarelle gekonnt

versehen hat.

CHF 80 000 / 120 000

(€ 71 430 / 107 140)