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Lotte Laserstein wird 1898 in Preussisch-Holland geboren. Sie studiert 1927 als eine der ersten Frauen Malerei an der Akademischen

Hochschule der Bildenden Künste in Berlin. Innerhalb kürzester Zeit gelingt es ihr, sich als eine bedeutende Bildnismalerin der Weimarer

Republik zu etablieren. Ihr zentrales Motiv ist die Inszenierung moderner und selbstbewusster Frauen. Lasersteins Frühwerk wird der

Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Sie bricht aber mit den maskenhaften, leblosen und anonymen Darstellungen ihrer Zeitgenossen, in-

dem sie jeder ihrer Figuren Individualität verleiht.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zwingt Laserstein, die jüdischer Herkunft war, nach Schweden zu emigrieren. Nach

anfänglichen Schwierigkeiten in ihrer neuen Heimat als Künstlerin Fuss zu fassen, gelingt es ihr schliesslich, sich als Porträt- und Land-

schaftsmalerin einen Namen zu machen. Ihr Stil verändert sich jedoch allmählich durch das Anpassen an die aktuellen Kunstströmun-

gen. Ihr zentrales Motiv bleibt aber die Darstellung von weiblichen Figuren. Das vorliegende Werk, das während ihrer Zeit in Schweden

entstanden ist, zeigt das Porträt einer Frau, die in ruhiger Melancholie und mit leerem Blick gedankenverloren in die Ferne sieht. Die

weichen und zarten Pastelltöne unterstreichen die Zartheit des weiblichen Gesichts und lassen die Porträtierte in eigentümlicher Weise

zurücktreten.

Die zur Auktion angebotenen Werke von Lotte Laserstein (auch in Koller West) stammen alle aus derselben privaten Sammlung. Die

Grossmutter des Eigentümers war eine enge Freundin der Künstlerin, welche einen engen Kontakt zur gesamten Familie pflegte. Unter

anderem war Laserstein die Patentante der Mutter des jetzigen Besitzers. Der private Bezug wird durch die Widmungen auf den Zeich-

nungen nochmals unterstrichen.